Gegen Windkraftanlagen auf dem Hochbühl: 140 Bürgerinnen und Bürger setzen ein starkes Zeichen

Am vergangenen Mittwoch, den 28. Januar 2026, konnten wir mit unserer Mahnwache in Überlingen wieder ein beeindruckendes Zeichen setzen. Rund 140 Mitstreiter versammelten sich vor der Feuerwache Überlingen, um unseren Widerstand gegen die geplanten Windkraftanlagen auf dem Hochbühl zum Ausdruck zu bringen. Anlass war die Sitzung des Überlinger Gemeinderats, der über die Verpachtung städtischer und Spital-Grundstücke im 67 Hektar großen Vorranggebiet Hochbühl beraten sollte. In diesem Gebiet sind bis zu fünf Windkraftanlagen mit einer Höhe von bis zu 300 Metern vorgesehen.

Trotz Regen und des ungewöhnlichen Standorts Feuerwache war die Beteiligung wie schon in Nussdorf überwältigend. Mit Bannern, Schildern und Plakaten haben wir unsere Position deutlich gemacht. Die Atmosphäre war engagiert, respektvoll und geordnet. Mit Trillerpfeifen, Glocken und Sprechchören wie „Keine Windräder auf dem Hochbühl!“ oder „Wach auf Überlingen, wach auf!“ schufen wir eine eindrückliche Empfangskulisse für die eintreffenden Gemeinderäte.

In der Sitzung mussten wir erfahren, dass der Stadt Überlingen sowie dem Spital- und Spendfonds Überlingen bereits ein verbindliches Angebot zur Errichtung von fünf Windenergieanlagen im Vorranggebiet „Hochbühl“ vorliegt. Die ABO Energy GmbH & Co. KGaA bewirbt sich damit in Kooperation mit der KommunalPartner Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG um die Vergabe entsprechender Grundstücksflächen und hat ein verbindliches Gesamtangebot zur Realisierung des Windparks „Hochbühl“ vorgelegt.

Sogar eine Zeitplanung gibt es schon:

  • 2026 (Q1): Vertragsabschluss
  • 2026/2027: Detailplanung, Gutachten, Windmessung
  • 2027 (2. HJ): Einreichung Genehmigungsantrag
  • 2028 (2.HJ): Genehmigungsbescheid
  • 2029: Teilnahme Ausschreibung BNetzA
  • 2029: Baubeginn
  • 2030/31: Inbetriebnahme

Die Stadt will noch diesen Februar das Angebot der ABO Energy durch die Endura Kommunal prüfen lassen, um in der Gemeinderatssitzung am 25.03.26 deren Prüfbericht vorzustellen. Um damit den Bezug zur Feuerwache wieder aufzugreifen: ES BRENNT ALSO!

Risiken überwiegen den Nutzen: Wir wenden uns klar gegen dieses Projekt! Auf dem Hochbühl sollen keine Windkraftanlagen errichtet werden, da wir davon überzeugt sind, dass die Risiken den erwartbaren Nutzen deutlich überwiegen. Für eine verantwortungsvolle Entscheidung des Gemeinderats fehlen aus unserer Sicht wesentliche Informationen zu Wirtschaftlichkeit, Gesundheit, Kurstandort, Naturschutz, Landschaftsbild, finanziellen Risiken und Haftungsfragen. Wir haben gemeinsam mit betroffenen Bürgerinnen und Bürgern aus Überlingen und den umliegenden Gemeinden dazu eine Entscheidungshilfe für den Rat erarbeitet und den Räten zugestellt. Das Dokument steht auf unserer Website zur Verfügung.

Gesundheitliche Bedenken und das Gebot der Vorsorge: Die wissenschaftliche Diskussion über Windkraftanlagen und Gesundheit ist nicht abgeschlossen. Während das Umweltbundesamt bei Einhaltung gesetzlicher Abstände keine konsistente Evidenz für direkte Gesundheitsschäden sieht, deuten internationale Studien und Fallberichte auf unterschätzte Schadmechanismen hin. Besonders besorgniserregend ist die Nähe zu sensiblen Einrichtungen wie Brachenreuthe, Kliniken und Wohngebieten in Owingen, Billafingen und Nesselwangen. Solange grundlegende Forschungsfragen ungeklärt sind, muss medizinisch das Vorsorgeprinzip gelten.

Schwachwindgebiet und wirtschaftliche Unsicherheit: Eine zentrale Problematik liegt aus unserer Sicht in den ungünstigen Windverhältnissen. Der Hochbühl befindet sich in einem dokumentierten Schwachwindgebiet. Der Windatlas Baden-Württemberg (2019) belegt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb ohne maximale staatliche EEG-Förderung fraglich erscheint. Diese Förderung ist jedoch politisch nicht mehr einfach garantiert. Eine unabhängige Expertise zum Hochbühl wäre erforderlich, um belastbare Prognosen zu treffen. Auch für Bürgerinnen und Bürger, die sich an Beteiligungsmodellen engagieren, entstehen erhebliche Risiken – bis hin zum Totalverlust, wie Insolvenzfälle in der Branche zeigen.

 

Auswirkungen auf den Kurstandort und den Tourismus: Überlingen ist als einziges Kneippheilbad Baden-Württembergs auf Ruhe und eine naturnahe Umgebung angewiesen. Die Stadt beherbergt renommierte Gesundheitseinrichtungen wie die Buchinger Wilhelmi Fastenklinik, die ihren Patienten eine ruhige Atmosphäre bieten. Diese Einrichtungen sind ein wichtiger wirtschaftlicher Ankerpunkt für den Kurstandort. Angesichts der geplanten, bis zu 300 Meter hohen Windkraftanlagen müssen alle potenziellen Auswirkungen auf den Kurstandort vorab gründlich geprüft werden. Entsprechende Visualisierungen und Landschaftsgutachten fehlen bislang ganz. Ebenso vermissen wir belastbare Gutachten zur Lärmbelastung und zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen.

Naturschutz, 18 Fledermausarten sind nachgewiesen: Auf dem Hochbühl wurden im Jahr 2025 in einem Gutachten der Gemeinde Owingen 18 Fledermausarten nachgewiesen, darunter mehrere streng geschützte Arten. Nach Bundesnaturschutzgesetz sind diese vollständig geschützt. Artenschutzrechtliche Konflikte bis hin zu Genehmigungsverweigerungen oder Abschaltauflagen sind realistisch und würden den wirtschaftlichen Nutzen weiter mindern.

Immobilienwerte und Kulturerbe: Nach Studien des RWI-Leibniz-Instituts (2019 und 2024) können Immobilien in der Nähe von Windkraftanlagen möglicherweise Wertveränderungen von 1,8 bis 7,1 Prozent erfahren. Besonders Nesselwangen, Owingen und Billafingen wären davon betroffen. Für den Hochbühl-Standort fehlen dazu lokale Analysen. Immobilienbesitzer in den betroffenen Gemeinden haben unserer Ansicht nach das Recht, die potenziellen Auswirkungen zu kennen. Darüber hinaus würden die bis zu fünf Windkraftanlagen das Landschaftsbild am nördlichen Bodenseeufer dauerhaft verändern. Die Sichtbeziehungen zum UNESCO-Welterbe Pfahlbauten, zur Wallfahrtskirche Birnau und zur Überlinger Altstadt würden beeinträchtigt. Visualisierungen dieser Auswirkungen sind notwendig, damit der Gemeinderat und die Öffentlichkeit ein vollständiges Bild haben.

Das fordern wir vom Gemeinderat:

  • Eine neue Sitzungsvorlage, die alle Konflikt- und Risikoaspekte objektiv darstellt
  • Unabhängige Gutachten zu Wirtschaftlichkeit, Lärmbelastung, Fledermausprognose, Rückbaukosten, Immobilienwertentwicklung und Gesamtrisikobewertung einzuholen
  • Stellungnahmen der Kurbetriebe, Kliniken und Tourismusbetreiber zu veranlassen
  • Die nachhaltige wirtschaftliche Stabilität etwaiger Vertragspartner prüfen zu lassen
  • Visualisierungen der geplanten Anlagen von verschiedenen Standpunkten zu fordern
  • Die aktive und umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten
  • Eingehendere Beratungen zu vertagen, bis diese Informationen vollständig vorliegen

Der Gemeinderat hat vertagt: Der Gemeinderat hat am 28. Januar keine abschließende Beschlussfassung getroffen, sondern die weitere Beratung vertagt. Wir sehen es auch als positives Signal, dass viele Gemeinderäte sich mit unserer Entscheidungshilfe beschäftigt haben und sie dabei als sachlich und hilfreich empfanden. Wir werden die kommenden Beratungen eng begleiten, damit die notwendigen Informationen zusammengetragen werden.

Unser herzliches Dankeschön! Wir möchten allen herzlich danken, die am vergangenen Mittwochnachmittag teilgenommen haben. Ein besonderer Dank geht auch an die Besucher uns nahestehender Initiativen, die zu uns nach Überlingen gefunden haben. Die vielen Gespräche und die respektvolle Atmosphäre haben uns gezeigt: Wir sind nicht allein mit unserem Anliegen.

Wir halten euch auf dem Laufenden – unser Widerstand geht weiter!

WEITERE INFORMATIONEN:

Entscheidungshilfe

Pressemitteilung

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